Krisen bestmöglich überstehen – 6 Vorschläge

Eine Zwischenbemerkung, praktische Tipps zwischen Teil 1 und Teil 2 von „Krisen bewältigen mit der Veränderungskurve“

In Teil 1 von „Krisen bewältigen mit der Veränderungskurve“ habe ich die Veränderungskurve von Richard K. Streich ausführlich vorgestellt. Was die Eine oder der Andere eventuell vermisst hat, ist die gewohnte praktische Übung am Ende des Beitrages. Um die einzelnen Beiträge etwas kürzer halten zu können möchte ich den „praktischen Teil“ an dieser Stelle separat vorstellen:
Es sind Anregungen, wie man persönlich mit einer Krise umgehen kann. Was kann man machen? Ich meine hier Veränderungen die Sie erst einmal „umhauen“, belastend in Ihr gewohntes Leben eingreifen, Ihre Überzeugungen hinterfragen und Sie schlecht schlafen lassen – kurz Krisen. Das Kölsche „et hätt noch immer jot jejange“ stärkt den Glauben an ein gutes Ende – ist aber recht passiv und hilft nur bedingt, wenn man gerne aktiv und mit erhobenem Haupt aus einer Krise heraus möchte.


Was können Sie also aktiv tuen?


1. Dem Schock ins Gesicht sehen.

Nach der ersten Schockstarre möchten Sie sich vielleicht am liebsten umdrehen und sich um den ganzen Rest im Leben kümmern: Einfach in Ruhe Ihren Job machen, die Kinder von der Schule holen oder, oder. Leider geht die Krise nicht einfach weg. Schauen Sie also direkt hin oder aus sicherem Abstand oder erst am nächsten Tag oder wenn sie ein paar mal schlecht darüber geschlafen haben oder wenn Sie Verstärkung haben – aber wie auch immer: Schauen Sie hin.


2. Schimpfen und Heulen für eine Zeitlang zulassen.

Suchen Sie sich ein offenes Ohr und schreien Sie Zeter und Mordio. Aber nur so lange, wie es Ihnen hilft! Lassen Sie Luft ab, damit Sie neu tief Luft holen können.


3. Verneinungsschleifen vor die Tür setzen.

Hier geht es um die zahlreichen Abwehrvarianten von „das kann nicht sein, weil…“ Anfangs sind es Helfer, die Panik verhindern können, weil sie das Problem noch ein wenig „auf Abstand halten.“ Doch Vorsicht vor der Dauerschleife! Bitte unbedingt vermeiden, denn sonst bleiben Sie hier stecken. Machen Sie aus dem „Nein, das geht nicht weil…“ und dem „Ja, aber…“ unbedingt ein „Ja,und….!“: Ja, es ist so und ich werde/ kann/ will….


4. Überstandene Durststrecken und Krisen in Erinnerung rufen.

Das hilft auch aus der Verneinungsschleife raus. Sie haben schon Anderes gemeistert!
Was hat Ihnen dabei geholfen? Wer? Könnte Vergleichbares auch heute hilfreich sein? Wenn ja: Konzentration und los! Wenn nein: wer oder was sonst könnte helfen?


5. In kleinen Schritten denken – immer Eines nach dem Anderen.

Ganz am Ende möchten Sie möglichst unbeschadet daraus – oder etwas konkreter: Sie wollen xy erreicht haben. Behalten Sie das Fernziel im Hinterkopf aber planen sie in einzelnen, kleinen Schritten und bewusst unter Vorbehalt. Erst einmal langsam im Nebel auf Sicht fahren.
Ihr inneres Navi muss vermutlich ab und an Umwege finden.


6. Nutzen Sie die guten Momente und suchen Sie sich Verstärkung.

Es gibt Krisensituationen, die beschäftigen Sie vielleicht permanent. Nach wenigen Minuten sind Sie gedanklich aus jeder Gesprächsrunde raus und drehen innerlich wieder in Ihrem Krisenkino die Runden.
Auch in derartig dunklen Momenten gibt es kleine Lichtblicke, nutzen Sie diese Zeiten für den Blick nach vorne. Wer aus ihrem Umfeld will ebenfalls aktiv aus der Krise gelangen? Wer hat Vergleichbares erlebt und gemeistert? Suchen Sie den Kontakt zu Menschen die aktiv geworden sind oder es aktuell werden wollen. Minimieren Sie den Kontakt zu Energiefressern, wenn es diese in ihrer Umgebung gibt.

Um eine Krise zu überwinden, gibt es nicht den einzig wahren Weg.
Die eine braucht eine lange Verneinungsphase. Der nächste trauert länger als der Durchschnitt. Manch Eine:r pendelt auch mal wieder zurück. Andere durchlaufen die Phasen ganz schnell und haben bereits nach 2 Wochen lauter neue und interessante Ideen.
Suchen Sie die Gesellschaft von Menschen, die bereits nach Vorne schauen können und aus den bereits gemachten Erfahrungen neue Perspektiven entwickeln wollen.


Hier noch eine interessantes Fundstück zum Faktor Zeit:

Anna Hoberg schreibt in einem Blogbeitrag des Fraunhofer IAO (=Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation):
Die ersten Wochen sind entscheidend
„Wir wissen aus der Entwicklungspsychologie, dass Menschen in den ersten Wochen einer extremen Umstellung eine hohe Aufnahme- und Lernbereitschaft haben. Das heißt, wir können durch Informationen, thematische Auseinandersetzung und Beschäftigung den Verlauf der oben dargestellten Kurve beeinflussen. Je mehr jeder einzelne weiß und je mehr Informationen ihm vorliegen, desto »vernünftiger« und bewusster steuern wir uns durch diesen Prozess – die Kurve der Verneinung und Akzeptanz fällt flacher aus, psychische Reaktionen werden entschärft und der Prozess kann schneller durchlaufen werden. Das verleiht nebenbei Sicherheit und begrenzt das Gefühl der Ohnmacht. Wir kommen schneller und zielorientierter ins Ausprobieren, was für uns gut funktioniert, und können so schneller für die Zukunft lernen.“ (s. hier)

Für heute möchte ich mich verabschieden und tue dies mit einem Abschlusssatz von Jo Schück aus der Sendung Aspekte:
„Wir müssen mit allem rechnen – auch mit dem Guten.“

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.