Kurzer Senf: Doktorarbeit und der Versuch einen Mythos zu kreieren

Mein Senf hierzu:
Fast hätte ich es gar nicht mitbekommen. Vor kurzem habe ich dann gelernt, dass es Menschen gibt, die angeblich die Doktorarbeit von Christian Drosten suchen [1]Drosten, Christian: Etablierung von Hochdurchsatz-PCR-Testsystemen für HIV-1 und HBV zur Blutspendertestung

Dabei geht es nicht um die Frage nach der Qualität oder um ordnungsgemäßes Zitieren etc. Die Frage startet ganz grundsätzlich mit „Wo ist…?“ Hier schwingt dann die Unterstellung mit, es gibt vielleicht gar keine Doktorarbeit… Eine klassische Suggestivfrage, die das Kopfkino der Lerser:innen in eine bestimmte Richtung lenken soll. Das ist nicht einmal Desinformation im eigentlichen Sinn, sondern ganz ohne Information der Versuch, eine Person zu diskreditieren. Diese Methode der schrägen Frage, um etwas unterstellen zu können (natürlich OHNE es auszusprechen!) Damit man hinterher sagen kann: „Ich habe ja nur gefragt.“ „Man wird ja wohl mal fragen dürfen…“. Die sprachlichen Methoden des Populismus, von Verschwörungsanhänger:innen oder der „neuen Rechten“ sind inzwischen häufig analysiert worden. Sehr anschaulich, anhand konkreter Beispiele, macht dies z.B. Natascha Strobl [2]Natascha Strobl, Politikwissenschaftlerin und Autorin: https://de.wikipedia.org/wiki/Natascha_Strobl (hier) immer wieder.

Zurück zur angeblichen Suche nach der Doktorarbeit:
Über Twitter stieß ich auf folgenden Beitrag des Volksverpetzers [3]Volksverpetzer: ist ein größtenteils ehrenamtliches Team, das politische Faktenchecks und Framechecks betreibt. Siehe „über uns“ Seite: https://www.volksverpetzer.de/ueber-uns/ Wo die Doktorarbeit von Drosten ist? Hier: Wir haben sie ausgeliehen
Hier wird die Unterstellung durch die vorgeschobene Frage sehr detailliert und gründlich seziert. Spoiler: es gibt sie natürlich und sie ist sogar ausleihbar!! Natürlich.
Was die Autoren des Beitrages übrigens auch gemacht haben.

Dass es Versuche gibt, unseren wohl bekanntesten Viruserklärer zu diskreditieren, finde ich zwar ärgerlich, aber leider nicht wirklich überraschend. Überrascht hat mich, dass man es mit SO einer Frage versucht.

So etwas hat ja nur den Hauch einer Chance und kann auch nur in Ansätzen funktionieren, wenn es eine genügend große Anzahl von Menschen gibt, die keine Ahnung haben, wie man eine Dissertation, also ein Buch findet….

Das ist erschreckend!

Denn das ist so unglaublich banal. Man muss nicht einmal aufstehen, wenn man vor einem Gerät mit Internetanschluss sitzt.

Es geht hier um banalste Grundlagen der Literatursuche!
Beim Volksverpetzer ist man bei der Suche sehr strukturiert, biografisch vorgegangen: Sie haben in der Biografie nachgesehen, an welcher Universität Christian Drosten die Dissertation eingereicht hat und dann in der Frankfurter Universitätsbibliothek recherchiert.

Genauso gut kann man es natürlich zunächst etwas unspezifischer mit einer Metasuche in mehreren Katalogen, wie dem Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK) [4]KVK – Karlsruher Virtueller Katalog: Der Karlsruher Virtuelle Katalog (KVK) ist eine Meta-Suchmaschine zum Nachweis von mehreren hundert Millionen Medien in Bibliotheks- und Buchhandelskatalogen … Continue reading versuchen. Hier also Christian Drosten als Autoren suchen, feststellen, dass dies natürlich zu viele Treffer produziert  – und noch „Dissertation“ in der Freitextsuche eingeben… Info: Die Deutsche Nationalbibliothek besitzt ein Exemplar in Frankfurt und eines in Leipzig.

Weshalb erzähle ich das alles?

Weil ich mich bedanken möchte.

Mein ausdrücklicher Dank gilt den zahlreichen Bibliotheken im Land, die regelmäßig Recherchetrainings anbieten!

Das ist so wichtig! Diese Bibliotheken vermitteln die Grundlagen für systematische Recherchen sowie die Literatursuche, Nutzung von Datenbanken und der Einordnung und Bewertung von Quellen. Souverän mit solchen Fragestellungen umzugehen ist ja nicht angeboren – nein auch den „Digital Natives“ nicht. Das erfordert Anleitung und Übung.

Also: Danke sehr!

Mein dringlicher Appell an die finanziellen Möglichmacher solcher Bibliotheksangebote:
Bitte unbedingt dran bleiben und mehr davon!

Ein derartig plumper Versuch darf doch nicht funktionieren!

References

1 Drosten, Christian: Etablierung von Hochdurchsatz-PCR-Testsystemen für HIV-1 und HBV zur Blutspendertestung
2 Natascha Strobl, Politikwissenschaftlerin und Autorin: https://de.wikipedia.org/wiki/Natascha_Strobl
3 Volksverpetzer: ist ein größtenteils ehrenamtliches Team, das politische Faktenchecks und Framechecks betreibt. Siehe „über uns“ Seite: https://www.volksverpetzer.de/ueber-uns/
4 KVK – Karlsruher Virtueller Katalog: Der Karlsruher Virtuelle Katalog (KVK) ist eine Meta-Suchmaschine zum Nachweis von mehreren hundert Millionen Medien in Bibliotheks- und Buchhandelskatalogen weltweit. Die eingegebenen Suchanfragen werden an mehrere Bibliothekskataloge gleichzeitig weitergereicht und die jeweiligen Trefferlisten angezeigt.

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